Freitag, 27. April 2012

Ein Vorarlberger berichtet aus Brüssel: EU-AKW-Stresstests zeigen schiere Verrücktheiten auf

Allein heftiger Schneefall gefährdet bereits die Betriebssicherheit tschechischer AKWs.
H.P. Martin zu EU-AKW-Stresstests:  "Länderberichte legen schwere Mängel offen. Ein europäisches Nuklearsicherheitssystem, wie Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich dies nunmehr fordert, ist zu wenig. Atomkraftwerke sind unverantwortlich und gehören vom Netz. Die EU-Kommission sollte dazu ein EU-weites Ausstiegsprogramm erarbeiten.“
AKW-Stresstest + Länderberichte. Neben dem 53 Seiten starken Überblicksbericht zu den AKW-Stresstests der EU-Kommission, der am vergangenen Donnerstag bekannt wurde und keine Bewertungen zu einzelnen AKW enthält, haben die Experten des „Stress Test Peer Review Board“ auch 17 Länderberichte erstellt.

Dieses Gremium besteht aus 80 Fachleuten, die im Wesentlichen von den nationalen Regulierungsbehörden für den Stresstest nominiert wurden. Acht davon waren jeweils vor Ort, in keinem Land durfte ein Einheimischer dabei sein.

So unzureichend die neuen AKW-Zwischenberichte sind, so legen sie doch Erschreckendes offen – insbesondere in Bulgarien, Belgien und Tschechien. Der Vorarlberger EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin hat diese Länderberichte nun ausgewertet und stieß dabei auf Erschreckendes, obwohl die Experten Risiken wie Flugzeugabstürze und Cyber- oder Terrorangriffe gar nicht untersucht hatten.

Beispiel Tschechien: 
  • In Tschechien kritisieren die Experten massiv, dass sich bei den AKW in Dukovany und in Temelin der bisherige Erdbeben-Check nur auf ein „subjektives Expertenurteil“ (!) stützt.
  • Beim Besuch der EU-Fachleute wurde zwar versprochen, eine moderne Risikoabschätzung vorzunehmen. Sie wurde aber noch nicht umgesetzt (Seite 6).
  • Bei zu heftigem Schneefall besteht in beiden tschechischen AKW die Gefahr, dass die Generatorenhallen so in Mitleidenschaft gezogen werden, dass das essentielle Brauchwassersystem gefährdet wäre.
  • Auch zu große Kälte könnte zu Problemen wie einem Blackout führen (Seite 11).
Beispiel Belgien: 
  • Das belgische AKW Tihange gilt nicht als flutsicher, „obwohl es direkt neben dem Fluss Meuse liegt“ (Seite 10 des Länderberichts).
  • Die Notdiesel-Generatoren der zweiten Sicherheitsstufe halten nur 7,5 Stunden durch (Seite 22).
  • Das zweite belgische AKW in Doel verfügt in seinem Original-Design über keinen Erdbebenschutz und im Notfall fehlt die Wasserzufuhr (Seite 16).
  • Beide belgischen AKW sind nicht einmal ausreichend gegen schwere Regenfälle oder Blitzeinschlag geschützt (Seite 12).
Beispiel Bulgarien:
  • Beim seit langem schon umstrittenen bulgarischen AKW Kozloduy ist die Lage noch dramatischer als bislang bekannt. So halten die Experten, von denen nur die wenigsten als atomkritisch gelten, Brandmelder und Feuerbekämpfungsmaßnahmen bei der Lagerung von Brennstäben für ungeeignet (Seite 6 des Länderberichts).
  • Weiters können in Kozloduy ein Stromausfall und ein Verlust der Kühlung nicht ausgeschlossen werden, wenn es gleichzeitig zu einem stärkeren Erdbeben und einer Überflutung kommt (Seite 7).
  • Die mobilen Generatoren funktionieren nur im Falle von schwächeren Erdbeben. Für den Fall, dass die Schutzwälle einer Überflutung nicht standhalten, existieren keine Notfallpläne.
  • Einige Räumlichkeiten, die unter der Erdoberfläche liegen, sind gegen eindringendes Wasser erst gar nicht geschützt.
  • Beim Besuch vor Ort fanden die EU-Experten auch heraus, dass in Kozloduy bereits Temperaturen gemessen wurden, die oberhalb der Grenze liegen, bei dem das Kraftwerknoch als sicher gelten kann (Seite 11)
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